Der 23. August wird der ehemaligen Schülerin der SMS Lambach wohl noch lange in Erinnerung bleiben. Gegen die SPG Südburgenland/Hartberg bekommt die junge Stürmerin Jasmin Schaur ihre Chance – und steht plötzlich dort, wo sie unbedingt hinwollte: auf dem Platz in der österreichischen Frauen-Bundesliga. Nur eine Woche später das erste Tor. Gegen Rapid erzielt sie beim 1:1 ihren ersten Bundesligatreffer und sichert ihrer Mannschaft damit zugleich einen wichtigen Punkt. Ein Einstand, der sich sehen lassen kann. Trotz des raschen Erfolgs bleibt für die talentierte Stürmerin wenig Zeit zum Staunen. Es heißt für sie, sich so schnell wie möglich zu adaptieren. Das Tempo ist höher, die Zweikämpfe intensiver und Entscheidungen müssen noch schneller getroffen werden. Auch wenn in diesem Sommer bereits ein Fußballtraum wahr geworden ist, spuken in Mimis Kopf bereits die nächsten großen Ziele herum … doch der Reihe nach.
Wer trifft, bekommt seine Chance
Ganz überraschend kommt dieser rasante Aufstieg nicht. In der Future League läuft es für Mimi derzeit richtig gut: Sie trifft beinahe in jedem Spiel und hat sich mit ihren Leistungen Schritt für Schritt für höhere Aufgaben empfohlen. Das Bundesliga-Debüt war deshalb nicht nur ein riesiger Moment für die junge Steinhauserin, sondern auch die Belohnung für viele intensive Trainingswochen. 19 Tore in acht Spielen zeigen deutlich, wo ihre größten Stärken liegen. Mimi sucht den Abschluss, will gefährlich sein und Verantwortung übernehmen. Gleichzeitig weiß sie, dass eine moderne Stürmerin mehr können muss, als nur auf den entscheidenden Pass zu warten. Tore vorzubereiten, Räume für ihre Mitspielerinnen zu schaffen und gegen – oder wie wir in Lambach sagen: um – den Ball zu arbeiten, gehören für sie genauso dazu. Genau diese Vielseitigkeit möchte sie weiterentwickeln.
Dass auf diesem Weg noch nicht alles perfekt funktioniert, ist Mimi bewusst. Besonders im Defensivverhalten sieht sie selbst noch Verbesserungspotenzial. Gleichzeitig merkt sie, dass sie auch dort Fortschritte macht – durch die vielen Stunden am Trainingsplatz und die tägliche Arbeit an sich selbst. Denn Talent allein reicht nicht: Hinter ihrer Entwicklung steckt ein enormer Aufwand. Sechs Trainingstage pro Woche bestimmen ihren Alltag, nur mittwochs bleibt der Fußballplatz einmal außen vor.
Dass sich dieses Pensum mit der Schule vereinbaren lässt, liegt auch am Internat. Besonders an Tagen mit Frühtraining erspart sich Mimi dadurch lange Wege und gewinnt wertvolle Zeit für Erholung. Neben dem Fußball besucht die 15-Jährige die HAS in Linz. Viel Raum für anderes bleibt zwischen Unterricht, Training und Regeneration nicht – doch genau dieser strukturierte Alltag gehört für Mimi derzeit dazu, um herauszufinden, wie weit ihr Weg im Fußball noch führen kann. Geht es nach ihr, ist dieser Weg noch lang …
Drei Weltstars als Vorbilder
Ideen für ihr eigenes Spiel holt sich Mimi bei einigen der besten Fußballerinnen der Welt: Alexia Putellas, Aitana Bonmatí und Caroline Graham Hansen. Was ihr an den drei Barça-Stars besonders gefällt, sind weniger einzelne Tricks als vielmehr ihre Art, Fußball zu spielen: das außergewöhnliche Spielverständnis, der Blick für freie Räume, präzise Pässe und gefährliche Abschlüsse. Bei Graham Hansen fasziniert sie zusätzlich deren enorme Torgefahr. Dass der FC Barcelona Mimis Lieblingsverein ist, überrascht da wenig. Barça verfolgt sie bei den Frauen genauso wie bei den Männern. Im Frauenfußball schaut sie außerdem gerne Arsenal.
Doch ihr Blick geht nicht nur ins Ausland. Auch die österreichische Frauen-Bundesliga gehört für Mimi zum Pflichtprogramm. Schließlich kann Zuschauen auch Vorbereitung sein: Wie spielen die Gegnerinnen? Was zeichnet sie aus? Wo liegen ihre Stärken? Und worauf muss man sich einstellen? Fußball schauen heißt für Mimi also auch Fußball lernen.
Mit dem Bundesliga-Debüt ist nun ein großes Ziel erreicht. Mit der Einberufung ins U17-Nationalteam gelang ihr auch schon der nächste Schritt. Und nun? „Ich möchte mich weiterentwickeln. Irgendwann möchte ich im österreichischen A-Nationalteam auflaufen und den Sprung zu einem internationalen Topklub schaffen. Vielleicht nach England oder zu meinem Traumverein, dem FC Barcelona. Und natürlich gibt es da noch zwei ganz besondere Bühnen: die UEFA Women’s Champions League und eine Europa- oder Weltmeisterschaft mit Österreich.“
Das sind große Ziele. Aber warum sollte man mit 15 auch klein träumen?
Von der SMS Lambach in die Bundesliga
Für uns an der SMS Lambach ist Mimis Geschichte noch aus einem weiteren Grund besonders schön. Denn sie ist nicht die Erste, die von unserer Schule den Sprung auf die große Fußballbühne geschafft hat. Nach Katharina Meßthaler und Siena Breitwieser ist „Mimi“ bereits unsere dritte ehemalige Schülerin, die in der Frauen-Bundesliga auflaufen durfte. Drei Spielerinnen. Drei unterschiedliche Wege. Und doch gibt es neben der gemeinsamen Zeit an der SMS Lambach noch eine weitere Verbindung: Gerald Reindl.
Er war und ist ein wichtiger Wegbegleiter im oberösterreichischen Frauenfußball und hat auch die Entwicklung dieser drei Spielerinnen entscheidend begleitet. Reindl baute die Frauenfußball-Akademie in Linz auf und schuf damit eine wichtige Anlaufstelle für talentierte Nachwuchsspielerinnen. Als Trainer der Kleinmünchnerinnen ermöglichte er Katharina Meßthaler ihr Debüt in der Bundesliga. Später holte er sowohl Siena Breitwieser als auch Mimi Schaur in die Akademie nach Linz und förderte sie dort auf ihrem weiteren sportlichen Weg.
Damit verbindet ihre Geschichten nicht nur die SMS Lambach. Es sind auch Menschen wie Gerald Reindl, die Talente erkennen, ihnen Vertrauen schenken und im richtigen Moment die nächste Tür öffnen. Gerade im Nachwuchssport sind solche Wegbegleiter oft ein entscheidender Teil einer Entwicklung, die viele Jahre dauert. Auch Michelle Huss ist so eine Begleiterin, die im Raum Stadl-Paura versucht, Wege für Mädchen zu legen, damit die sich bestmöglich entwickeln können. „Was Jasmin und Siena von Anfang an ausgezeichnet hat, war ihr unermüdlicher Trainingseinsatz, ihr starker Wille und ein Durchhaltevermögen, das auf dem Platz seinesgleichen sucht“, ist die engagierte Trainer voll des Lobes und stolz, dass zwei Talente die Wege auch nützten, die ihnen vorbereitet wurden.
Schaut man auf Mimis Ziele, wird einem klar, dass sie trotz des Bundesliga-Debüts und der Einberufung ins Jugendnationalteam noch ganz am Anfang ihres Weges steht. Doch die ersten Kapitel lesen sich bereits ziemlich gut:
Bundesliga-Debüt? Geschafft.
Erstes Bundesliga-Tor? Geschafft.
Einberufung ins U-Team? Geschafft.
Die nächsten Ziele? Längst im Visier.
Die Lehrerinnen und Lehrer der SMS Lambach sowie ihre Unterstützer werden Mimis Weg jedenfalls mit großer Freude weiterverfolgen und wünschen ihr für die nächsten Schritte alles Gute, viele Tore und möglichst viele besondere Fußballmomente.
Und wer weiß: Vielleicht dürfen wir in einigen Jahren tatsächlich die nächste Schlagzeile schreiben:
„Von Lambach auf Europas große Fußballbühne – Mimi Schaur erfüllt sich ihren Traum.“